Review< Zurück 20.03.2010

Heim ist nicht daheim

Von Stephanie Neubauer

Ein kurzer Einblick in die Dokumentation von Julia Laggner übers Altern im Heim und ein Rückblick meines Besuchs im Rechbauerkino in dem sich einige Besucher (alterstypisch?) daneben benommen haben.

Ich mag Dokus, und diese hier mag ich ganz besonders. Ein Nischenprodukt das Julia Laggner auf der Diagonale präsentiert hat. Gekonnt in feiner Manier zauberte sie eine durchaus heitere und rührende Dokumentation die das Leben im Senioren- und Pflegewohnheim St. Peter schildert.

Das Rechbauerkino war bis auf den letzten Platz ausgefüllt. Bis es soweit war, störte es die ersten eintreffenden Besucher kaum, die Randplätze zu belegen und somit die anderen Gäste zu zwingen sich dann eben zu den anderen Plätzen durchzuquetschen. Komisches Verhalten, könnte am Alter liegen. Man will sich ja nichts mehr sagen lassen und schon gar nicht Rücksicht auf andere nehmen. Gut, keine große Sache. Als jedoch die Platzanweiserin höflich bittet doch einen Sitzplatz nach innen zu rücken und ein geschnauztes "Sicher nicht" erhält und die Anweiserin noch nachsetzt "Es ist aber für die Begleitung eines Rollstuhlfahrers", trau ich meinen Ohren kaum, als ich ein "Ich geb meinen Platz sicher nicht her" vernehmen muss. Gehts noch?

Ab dem Zeitpunkt war ich auf die Doku noch mehr gespannt als vorher ... und überrascht:

Dass es die Bewohner nicht immer leicht hatten und haben, kann man alleine schon an den durchaus unterschiedlichen Charakteren erkennen. Der Herr Zirkusdirektor, der seine letzte große Liebe hier gefunden hat und gerne noch seine Ständchen zum Besten gibt, eine Pfarrersköchin die ihren Pfarrer auch im Heim noch weiter betreut, eine Großbäuerin die sich kein Leben nach dem Tod erwartet und daher lieber jetzt noch die Möglichkeit auskostet  unterhaltende und (geistig) aktive Kontakte zu pflegen, und eine schwedische Dame die ins Heim "abgeschoben" wurde und aus ihrer oft nicht leichten Vergangenheit erzählt.

Julia Laggner hat all das festgehalten, woran man beim Wort "Seniorenwohnheim" denkt. Die Konfrontationen mit dem Tod, der Einsamkeit, dem letzten Lebensabschnitt und die Schwierigkeit miteinander auszukommen, wenn man sein Leben lang seine Eigenheiten aufgebaut hat. Aber auch Freude und Herzlichkeit die das Heimleben mit sich bringen wurden eingefangen und bringen den Zuschauer sehr oft zum Mitlachen und -fühlen.

Fazit: Die erwartete Schwermütigkeit blieb aus. Dass man die eigene Heiterkeit auch im Heim nicht verliert und das Beste aus seinem Schicksal macht wurde hier sehr schön, mit einem wahrlich guten Filmschnitt, dokumentiert.

Auf einen Blick

  • Jahr: 2009
  • Länge: 57 min
  • Regie: Julia Laggner
  • Drehbuch: Julia Laggner
  • Darsteller: Lieselotte Oman Emil Pfeiffer Veronika Pfuhl Maria Neuhold

Fazit

Meine Wertung:

 

Der dreiste kleine Kinomo

Filme gehören besprochen. Kinomo! Du fängst an!